Fahrradfahren in Amsterdam

Mit dem Fahrrad durch Amsterdam – so läuft das wirklich

Amsterdam ohne Fahrrad ist wie Dresden ohne Elbe. Irgendwie geht es, aber du verpasst das Wesentliche. Das Rad ist in der niederländischen Hauptstadt das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel, und das Radwegenetz umfasst rund 400 Kilometer. Wer hier eine Woche verbringt und nur zu Fuß oder mit der Tram unterwegs ist, erlebt eine andere Stadt als jemand, der sich einfach aufs Rad schwingt.

Aber: Es gibt ein paar Dinge, die man vorher wissen sollte.

Ehrliche Warnung vorab

Für Amsterdamer Einheimische ist das Fahrrad kein Freizeitgerät sondern ein Transportmittel. Sie fahren nicht spazieren, sie fahren zur Arbeit oder zu einem Termin und haben es entsprechend eilig.

Das merkt man sofort. Die Radwege sind voll, das Tempo ist hoch, und wer in der Mitte anhält um aufs Handy zu schauen, bekommt das zu spüren. Wer unsicher ist, hat mit dem Fahrrad auf Amsterdams Straßen nichts verloren. Das klingt hart, ist aber ehrlich gemeint. Als Anfänger lieber erst in ruhigeren Vierteln warm werden, bevor es ins Zentrum geht.

Fahrrad leihen: Was es kostet

Ein normales Fahrrad kostet etwa 14,50 bis 15 Euro pro Tag, ein E-Bike rund 33 Euro. Für die Ausleihe brauchst du einen Ausweis oder Führerschein und hinterlegst eine Kaution von 50 bis 75 Euro.

Bekannte Anbieter direkt am Hauptbahnhof sind Mac Bike (rote Räder, mehrere Filialen) und Yellow Bike. Wer flexibel sein will: Einige Anbieter haben 16 Verleihstationen in Amsterdam, das gemietete Fahrrad kann an jedem Standort wieder zurückgegeben werden. Wer online reserviert, bekommt oft 10 Prozent Rabatt.

Die wichtigsten Regeln

Rechts fahren, Handzeichen geben. Richtungswechsel immer mit der Hand anzeigen und vorher über die Schulter schauen. Viele Unfälle passieren, weil jemand einfach rüberzieht ohne ein Zeichen zu geben.

Nicht mitten im Radweg stehen bleiben. Wenn du kurz Google Maps checken musst: erst raus aus dem Radweg, dann stehen bleiben.

Straßenbahnschienen sind eine echte Gefahr. Straßenbahnschienen können dich leicht zu Fall bringen, wenn du sie in einem Winkel von weniger als 90 Grad überquerst. Immer schräg drüber, nie parallel reinfahren.

Rechts vor links gilt auch hier. Was auf der Straße für Autos gilt, gilt in Amsterdam auch für Fahrräder. Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt, sofern nichts anderes ausgeschildert ist.

Schloss ist Pflicht. Fahrraddiebstahl ist in Amsterdam an der Tagesordnung, auch tagsüber und in belebten Gegenden. Immer abschließen, auch wenn du nur kurz in einen Laden gehst.

Falsch parken kostet. Falsch geparkte Fahrräder werden von der Polizei mitgenommen. Auf Schilder achten, besonders rund um den Hauptbahnhof.

Klingel nutzen, nicht hupen. Wenn jemand vor dir zu langsam ist oder du überholen möchtest, kurz klingeln. Wer von hinten geklingelt wird, bleibt einfach rechts und fährt geradeaus weiter.

Was macht das Radfahren hier so besonders

Frühmorgens, bevor der Touristentrubel einsetzt, gehört die Stadt den Radfahrern. Grachten, Hausboote, kleine Brücken, stille Seitengassen. Frühmorgens gehört das alles dir. Kein Touristentrubel, kein Gedränge. Nur das leise Klackern der Reifen auf dem Kopfstein und die Grachtenstadt in ihrer schönsten Form.

Wer lieber strukturiert unterwegs ist: Geführte Fahrradtouren durch Amsterdam werden in verschiedenen Sprachen angeboten, auch auf Deutsch, mit unterschiedlichem Schwerpunkt und Länge, von zwei Stunden bis zum ganzen Tag.

Schöne Touren rund um Amsterdam

Das Gute an Amsterdam ist die Lage. Nach Zaanse Schans, wo acht historische Windmühlen perfekt erhalten und in Betrieb sind, sind es mit dem Rad rund 38 Kilometer, geschätzte Fahrzeit drei Stunden, Schwierigkeitsgrad leicht.

Eine weitere Option: Vom Hauptbahnhof direkt mit der Fähre nach Buiksloterdijk, dann durch die flache Moorlandschaft, die gesamte Strecke ist auf voller Länge beschildert.

Beide Touren sind auch für weniger geübte Radfahrer machbar, weil die Niederlande eben so unfassbar flach sind.

Noch zwei praktische Hinweise

Helm ist nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll. Und: Fahrräder dürfen in Straßenbahnen und Bussen nicht mitgenommen werden. In der Metro ist es außerhalb der Rushhour erlaubt, sofern andere Fahrgäste nicht belästigt werden.

Wer Amsterdam einmal mit dem Fahrrad erlebt hat, versteht warum die Stadt so funktioniert wie sie funktioniert. Es ist einfach das natürlichste Fortbewegungsmittel, das es dort gibt.