Erotikmuseum Amsterdam

Amsterdam hat gleich zwei Museen, die sich dem Thema Erotik und Sexualität widmen. Die meisten Besucher wissen nicht, dass es sich dabei um zwei völlig verschiedene Häuser handelt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wer das falsche betritt, wundert sich am Ende, warum er hergekommen ist.

Das Erotikmuseum – mitten in De Wallen

Ein altes Lagerhaus mitten im Rotlichtviertel, mit einer immer leuchtenden Neonröhre über dem Eingang. Darin steht: Erotikmuseum. Viel höher an der Fassade des Kanalhauses aus dem 17. Jahrhundert fällt eine alte Steinplatte auf mit dem Satz: „God is mijn Burgh“ – Gott ist mein Schloss. Typisch Amsterdam, dieser Kontrast.

Das Museum befindet sich in einem alten Lagerhaus im Herzen des Rotlichtviertels. Auf den Etagen findest du einen Souvenirshop und eine Ausstellung zu allerlei erotischen Themen mit zahlreichen Bildern, eine Nachbildung eines Prostituiertenzimmers mit Wachsfigur, ein Modell des berühmten Casa Rosso Theaters, eine Sammlung erotischer Originalskizzen von John Lennon sowie einen Raum über Sadomasochismus.

Die John-Lennon-Skizzen sind dabei tatsächlich überraschend. Nicht weil sie explizit wären, sondern weil man nicht erwartet, hier auf sie zu stoßen. Lennon fertigte diese Zeichnungen in den 1960ern und 70ern an, und sie hängen hier ganz unaufgeregt zwischen allem anderen.

Adresse: Oudezijds Achterburgwal 54, Amsterdam Eintritt: 8 Euro. Das Museum liegt fünf Minuten vom Dam-Platz oder dem Hauptbahnhof entfernt. Mindestalter: 16 Jahre, Ausweis mitnehmen.

Das Sexmuseum Venustempel – der ältere Bruder

Das zweite Haus ist ein anderer Typ. Das Sexmuseum Amsterdam am Rande von De Wallen ist das älteste Sexmuseum der Welt und wahrscheinlich auch das sehenswerteste seiner Art in Amsterdam. Das 1985 eröffnete Museum zählt zu den populärsten der Niederlande und besitzt eine große Sammlung an Fotos, Bildern, Tonaufnahmen und Gegenständen rund um die Entwicklung von Erotik und Sexualität im Laufe der Geschichte.

Von pornografischen Tellern aus dem antiken Pompeji über mittelalterliche Skulpturen bis hin zu einigen der ersten Nacktfotos der Geschichte stellt das Museum freizügigere und weniger freizügige Gesellschaften und Geschichtsperioden dar. Dazu kommt eine kleine Sammlung japanischer erotischer Drucke, die für Manga-Fans tatsächlich historisch interessant ist, weil sie die Wurzeln dieser Kunstform zeigt.

Das Museum nennt sich selbst Tempel der Venus und meint das durchaus ernst. Am Eingang steht eine Gipsfigur der Venus, und die einzelnen Räume tragen Namen wie Mata Hari, Marquis de Sade und Oscar Wilde. Die Aufmachung ist altmodisch, manchmal fast kitschig. Trotzdem ist die Sammlung selbst umfangreicher als man erwartet.

Adresse: Damrak 18, 1012 LH Amsterdam, direkt vor dem Hauptbahnhof Eintritt: 10 Euro pro Person. Das Ticket ist ab Kaufdatum drei Monate gültig, kein festes Zeitfenster nötig. Mindestalter: 16 Jahre

Welches lohnt sich mehr?

Das kommt auf die Erwartung an. Das Erotikmuseum in De Wallen liegt mittendrin im Viertel, hat die ungewöhnlicheren Exponate und passt gut als Ergänzung zum Schlendern durch die Gassen. Der Eintrittspreis ist mit 8 Euro günstiger.

Das Sexmuseum Venustempel am Damrak ist historisch breiter aufgestellt und hat eine größere Sammlung. Wer wissen will, wie verschiedene Kulturen und Epochen mit Erotik umgegangen sind, ist hier besser aufgehoben. Dafür ist die Aufmachung stellenweise etwas in die Jahre gekommen.

Beide Häuser sind nichts für einen tiefen kulturhistorischen Einstieg, aber auch kein reines Touristenprogramm ohne Inhalt. Man geht raus und hat etwas gesehen, das man so schnell nicht vergisst – und das ist in Amsterdam ja nicht die schlechteste Empfehlung.